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Lebenslust und Vergänglichkeit: Barockgedichte

Dienstag, März 8, 2016
Lebenslust und Vergänglichkeit: Barockgedichte

Barockgedichte sind ein Spiegelbild dieser Epoche, die sich zwischen den Extremen von üppiger Lebensfreude und der Erinnerung an die Sterblichkeit alles Irdischen bewegt. Doch gehen sie in ihrer Bedeutung weit über dieses Spannungsfeld hinaus. Die Gedichte aus der Barock-Zeit sind erstmals seit dem Mittelalter wieder in deutscher statt lateinischer Sprache verfasst und bilden so auch einen neuen Ausgangspunkt für die deutsche Lyrik selbst.

Memento mori und carpe diem – Die Lust am Vergänglichen

„Ach Liebste….“ betitelt Martin Opitz eines seiner bekanntesten Sonette, das sich, wie in der lyrischen Form Sonett üblich, auf kunstvolle Weise antipodisch mit dem Thema der Sterblichkeit befasst. Die Erinnerung an das Vergängliche alles Irdischen (Memento mori) spielt in der Barocklyrik eine ebenso bedeutsame Rolle wie die Mahnung, die verbleibende Zeit auf Erden sinnvoll zu nutzen und auszukosten (carpe diem).

Petrarkismus und Anti-Petrarkismus

In der Nachfolge des italienischen Dichters Petrarca üben sich auch die Barockdichter im Preis der Schönheit. Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau greift diese Thematik bereits im Titel seines Sonettes „Vergänglichkeit der Schönheit“ auf, in dem er die überirdische Schönheit seiner Geliebten preist (Petrarkismus) und zugleich auf ihre Sterblichkeit und Vergänglichkeit abzielt (Anti-Petrarkismus). Die Dualität von Leben und Tod, Schönheit und Verfall ist ein prägendes Element der Barocklyrik wie sie sich auch in solch bekannten und bedeutsamen Werken wie Andreas Gryphius‘ Sonett „Es ist alles eitel“ oder Paul Flemings Sonett „Wie er wolle geküsset seyn“ widerspiegelt.

Bild: bigstockphoto.com / plotnikov