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Gebrauchslyrik: Beliebte Ausdrucksform der Neuen Sachlichkeit

Sonntag, August 19, 2018
Gebrauchslyrik: Beliebte Ausdrucksform der Neuen Sachlichkeit

Gebrauchslyrik bezeichnet einen Lyrikstil, der sich durch eine einfache Sprache und eine klare Botschaft auszeichnet. Geprägt hat diesen Begriff Bertolt Brecht, der 1927 unter diesem Motto zu einem Wettbewerb aufgerufen hatte. Diese Stilrichtung erlebte innerhalb der Neuen Sachlichkeit in den 1920ern ihre Blütezeit.

Zweck dieser lyrischen Stilrichtung

Die Poeten der Neuen Sachlichkeit wollten mit der Gebrauchslyrik in verständlicher Weise politische und soziale Anliegen vermitteln. Politisch engagierten sich diese Lyriker meist in der Arbeiterbewegung. Sie wollten mit dieser besonderen Form ein möglichst breites Publikum erreichen, deswegen verzichteten sie im Gegensatz zum Expressionismus auf schwierig zu verstehende Sprache. Vielfach beschrieben sie zeitgenössische Problemlagen von Arbeitslosen, Armen und Arbeitslosen und wollten dafür ein politisches Bewusstsein schaffen. Teilweise fügten sie direkte politische Aufforderungen hinzu.

Beispiel: Kurt Tucholskys “Angestellte”

Als wichtige Vertreter dieser Lyrik gelten Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz und Erich Kästner. Mit “Angestellte” hat Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Theobald Tiger 1926 einen Klassiker der Neuen Sachlichkeit geschrieben. Er widmet sich der Situation der Angestellten und thematisiert deren langen Arbeitszeiten und Angst vor Entlassung. Zugleich benennt er den Grund für diese schlechte Lage: Er wirft den Angestellten vor, sich im Gegensatz zu den Arbeitern nicht ausreichend gewerkschaftlich zu organisieren. In den Schlusszeilen ermuntert er sie, geeint gegen die Unternehmensführungen vorzugehen:

“Und ists soweit / dann kommt die Zeit / wo ihr mit heftigem Tritte / und ungeahnter Schnelligkeit / herauswerft eure Obrigkeit.”

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Bild: Bigstockphoto.com / bluehorsepl