Literatur

Einen Roman schreiben – bloß wie?

Mittwoch, Juni 7, 2017
Einen Roman schreiben – bloß wie?

Kennen Sie das? Sie lesen ein Buch, halten keine zehn Seiten durch bevor Sie es in die Ecke werfen und sagen: „Das ist grauenhaft geschrieben. Was der kann, schaffe ich besser!“

Nun, es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Sie Recht haben. Andererseits könnten Sie böse auf die Nase fallen. Es gibt junge und alte Zeitgenossen/ –innen, die glauben, man müsste einfach nur Worte auf ein Blatt Papier bringen. Schon ist der Roman fertig. Schließlich existieren viele nützliche Helfer, wie z.B. Laptops und Programm wie MS-Word. Schreiben, Drucken und fertig ist die Story.

Leider falsch. Programme wie z.B. Word oder seine Derivate sind für viele Dinge nützlich – Romane sollte man damit aber nicht schreiben. Sie erfahren später den Grund. Vorher noch eine Frage: Nehmen wir an, Sie wollten sich das Geld für den Kauf eines Schranks sparen und selber einen bauen. Das ist doch einfach, denken Sie. Sie kaufen einen Ratgeber, besorgen sich Holz und Werkzeug vom Baumarkt und legen los. Wahrscheinlich schaffen Sie es sogar, den Schrank zu bauen. Doch kann der mithalten im Vergleich zu denen im Möbelhaus? Eher unwahrscheinlich. Schreiner bauen gute Schränke, aber die Ausbildungszeit dauert drei Jahre. Man lernt die Holzarten, die Benutzung von Werkzeug und die Methoden der Holzbearbeitung.

Mit dem Schreiben verhält es sich genauso. Es ist ein Handwerk, man kann es lernen, aber es dauert und ist mit Rückschlägen verbunden. Wie jeder Handwerker benötigt man zur Ausübung gutes Werkzeug. Das fängt mit dem Programm an. Was kann MS-Word beispielsweise nicht: Es zeigt Ihnen nicht an, ob ein Satz zu lang ist. Es zeigt Ihnen nicht an, wie oft Sie ein Wort wiederholt haben, ob Sie zu viele Adjektive verwenden und ebenfalls ist keine Lesbarkeitseinschätzung eingebaut. Bandwurmsätze, Behördendeutsch und leidvolle Wiederholungen von Wörtern mindern den Lesegenuss. Ein gutes Autorenprogramm zeigt Ihnen das alles, und hinterlegt pro verwendeten Namen Ihrer Romanfiguren eine Datenbank. Schlecht wäre es, wenn auf Seite 5 Ihr Held blaue Augen und zehn Seiten weiter plötzlich braune Augen hätte. Ein Blick in die Datenbank mit den Personendaten vermeidet das.

Nehmen wir an, Ihr Manuskript ist fertig und Sie wollen es einem Verlag anbieten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie Absagen kassieren. Bei großen Publikumsverlagen liest Ihr Manuskript höchstens der Praktikant – wenn überhaupt. Die Verlage arbeiten mit Literaturagenten zusammen. Diese sichten den Spreu vom Weizen und bieten nur Letzteren an. So spart der Verlag Lektoren und weiß, dass das angebotene Manuskript zumindest grundlegende Qualitätskriterien erfüllt. Aber halt, denken Sie. Es gibt Ausnahmen, Verlage, die jungen bzw. neuen Autoren eine Chance geben. Man findet Sie nach kurzer Suche im Netz. Sie lechzen geradezu nach Manuskripten, senden rasch eine Zusage. Man müsse sich nur an den Druckkosten beteiligen, das sei eine gerechte Risikoaufteilung, schließlich sind Sie ein neuer Autor, da gibt es Unsicherheiten und der Marktwettbewerb ist hart.

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Echt jetzt? Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen, also grundsätzlich Risiken ausgesetzt. Das Risiko wird normalerweise dadurch eingegrenzt, dass man nur die Manuskripte veröffentlicht, von denen man Verkaufserlöse erwartet. Die verlangten Druckkostenzuschüsse sind deshalb so kalkuliert, dass der Verlag in der Gewinnzone ist, selbst wenn kein einziges Buch des Autors verkauft wird. Der Autor hat dann zwar ein Buch, aber die wirklich nützlichen Dinge, die er damit anstellen kann, sind begrenzt. Lesen wird es niemand, ausgenommen vielleicht die engere Verwandtschaft nach reichlicher Überzeugungsarbeit. Ich bin ab und zu auf den Internetseiten dieser Verlage unterwegs und lese die neuen Werke – besonders wenn ich so richtig lachen möchte. Man findet langweilige Krimis, Fantasy die ihren Namen nicht verdient und viel anderen Unsinn. Dem Zuschussverlag ist die Qualität völlig egal, denn selbst bei keinem einzigen verkauften Buch hat er schon Gewinn gemacht – mit Ihrem Zuschuss.

Was bleibt noch übrig, wenn man die zweifelhaften Dienste von Zuschussverlagen vermeiden will? (Falls Sie zu viel Geld haben, könnten Sie es natürlich auch gerne diesen Verlagen geben, oder zum Ofenanzünden verwenden. Der Effekt ist der gleiche: Sie haben nichts davon.) Sie könnte es als Selfpublisher probieren, bei Amazon oder anderen Ihr Werk als ebook veröffentlichen. Hier ist der Wettbewerb inzwischen hart und die Wahrscheinlichkeit für große Umsätze gering.

Es sei denn – und hier schließt sich der Kreis – Ihr Werk ist gut. Wirklich gut. Das bedeutet jedoch, handwerklich perfekte Arbeit abzuliefern. Dazu brauchen Sie entsprechende Schreibratgeber, und viel Zeit fürs Üben. Wenn ein Schreiner drei Jahre Ausbildung benötigt – bei Vollzeit – dann sollten Sie niemals glauben, mit wesentlich weniger Zeit auszukommen. Die Zeit verlängert sich vor allem dadurch, dass Sie sich anders als der Schreiner nicht von früh bis abends Ihrer Ausbildung widmen können. Trotzdem ist der Weg richtig. Beweisen Sie sich selbst, dass Sie einen langen Atem haben, dass Sie Rückschläge verkraften können. Besuchen Sie für weitere Tipps die Webseite www.bernard-mondae.de. Sie möchten Ihre eigene Geschichte als Biografie veröffentlichen? Christian Duelli unterstützt Sie bei diesem Vorhaben.