Swing ist ein Jazzstil mit einem federnden Rhythmus. Große Tanzorchester machten die Musik in den 1930er- und 1940er-Jahren populär. Zu Swing-Musik entwickelten sich Tänze wie Lindy Hop, Charleston und Balboa.
Hör zuerst auf den gleichmäßigen Grundschlag und dann auf die wechselnden Akzente. Lindy Hop tanzt man zu zweit, Charleston-Schritte auch allein.
Wo Swing entstand
Swing hat afroamerikanische Wurzeln und entwickelte sich aus Jazztraditionen der 1920er-Jahre. Zu den wichtigen Zentren zählten Harlem in New York und Kansas City. Musiker und Tänzer prägten in Harlem die Szene rund um den 1926 eröffneten Savoy Ballroom. In Kansas City entstanden Spielweisen mit markanten Wiederholungen und viel Raum für Soli.
In den 1930er-Jahren wurde Swing in den USA zur populären Tanz- und Radiomusik. Die Swing-Ära reichte ungefähr bis in die Mitte der 1940er-Jahre. Der Erfolg bekannter Bandleader wie Benny Goodman, Artie Shaw und Glenn Miller beruhte auch auf der Arbeit afroamerikanischer Musiker und Arrangeure. Fletcher Henderson und Eddie Durham arbeiteten Stücke für große Tanzorchester aus und prägten so deren Klang.
Swing-Rhythmus erkennen
Beim Swing bleibt der Grundpuls gut hörbar. Häufig hält ein Bass eine regelmäßige Linie. Schlagzeug und Klavier beleben den Takt mit Akzenten; auch die Bläser setzen Akzente. Oft fallen die Betonungen auf den zweiten und vierten Schlag. Dazu kommen Synkopen. Das sind Akzente an unerwarteten Stellen im Takt.
Auch die Achtelnoten klingen anders als beim gleichmäßigen Marschieren. Sie wirken ungleich verteilt und geben der Musik ihr federndes Gefühl. Für Swing gibt es kein festes Verhältnis zwischen den Achtelnoten, das immer gilt. Hör zum Einstieg, wie der Bass den Puls hält und wie die Melodie darüber leicht vorwärts und zurück zu schwingen scheint. Mitklopfen hilft, den Takt zu finden.
So klingt eine Big Band
Eine Big Band ist ein großes Jazzorchester. Viele Swing-Tanzorchester hatten 15 oder mehr Musikerinnen und Musiker. Trompeten und Posaunen bilden zusammen mit Saxofonen die Bläsergruppen; Bass, Schlagzeug und oft Klavier tragen den Rhythmus.
Die Musik verbindet festgelegte Passagen mit improvisierten Soli, bei denen einzelne Musiker spontan spielen. Ein Arrangement ist eine ausgearbeitete Fassung eines Stücks, in der festgelegt ist, welche Instrumente welche Motive spielen. Häufig antwortet eine Bläsergruppe auf eine andere oder wiederholt ein kurzes Motiv. Dazwischen bekommt ein einzelner Musiker Raum für ein Solo.
Zum Hören eignen sich verschiedene Orchester: Duke Ellingtons Take the A Train zeigt den Klang präziser, farbenreicher Arrangements. Count Basies One O’Clock Jump macht den kräftigen Puls und den Platz für Solisten gut hörbar. Benny Goodman, Artie Shaw und Glenn Miller waren weitere bekannte Bandleader. Die International Sweethearts of Rhythm, ein 1937 gegründetes Ensemble aus Musikerinnen unterschiedlicher Herkunft, erinnern daran, dass die Swing-Szene vielfältiger war als die bekanntesten männlich geführten Orchester.
Lindy Hop, Charleston und weitere Swingtänze
Lindy Hop
Der Lindy Hop entwickelte sich in den späten 1920er-Jahren in Harlem. Er ist ein Paartanz, bei dem sich die Tanzenden mal gemeinsam bewegen und mal voneinander lösen, um eigene Schritte einzubauen. Improvisation gehört dazu: Die Grundbewegung gibt Halt, lässt aber Raum für persönliche Varianten.
Der Lindy Hop gilt als zentraler Swingtanz. Seine Geschichte ist eng mit der afroamerikanischen Tanzszene Harlems verbunden. Die oft erzählte Erklärung, der Name sei bei einem Tanzmarathon im Jahr 1928 entstanden, gilt als Legende; die genaue Herkunft des Namens ist nicht sicher belegt.
Charleston
Der Charleston wurde in den 1920er-Jahren populär. Typisch sind Vor- und Rückwärtsbewegungen sowie seitliche Beinschwünge. Man kann ihn allein, in einer Gruppe oder mit einer Partnerin beziehungsweise einem Partner tanzen. Die Schritte flossen später auch in andere Swingtänze ein.
Charleston eignet sich gut für den Einstieg, weil du die Bewegungen zunächst ohne Partner üben kannst. Der Tanz wurde durch James P. Johnsons Musik im Broadway-Stück Runnin’ Wild von 1923 bekannt.
Balboa
Beim Balboa tanzen Paare oft eng zusammen und machen kleine, schnelle Schritte. Schnelle Gewichtswechsel halten die Bewegung unter Kontrolle. Das eignet sich besonders für Musik mit hohem Tempo, doch es gibt keine feste Tempogrenze, die für alle Balboa-Musik gilt.
Shag
Shag ist ein Sammelbegriff für verschiedene regionale Tänze, darunter Collegiate Shag, Carolina Shag und St. Louis Shag. Die Stile unterscheiden sich, haben aber häufig ein schnelles, federndes Bewegungsgefühl. Hopser und laufähnliche Schritte gehören zu den wiedererkennbaren Elementen.
Big Apple
Der Big Apple ist ein Gruppentanz. Die Tanzenden bewegen sich im Kreis und führen Schritte aus, die angesagt werden. Er zeigt, dass Swingtanz nicht nur aus Paaren besteht. Als Gruppentanz verbreitete er sich 1937.
Der Begriff „Jitterbug“ kommt in der Swinggeschichte ebenfalls vor, meint aber nicht immer einen einzelnen, klar abgegrenzten Tanz. Je nach Zusammenhang meint er Lindy Hop oder andere Swingtanzformen. Wer einen Kurs sucht, sollte deshalb nach dem konkreten Namen des Tanzstils suchen.
So findest du den Einstieg
Wer gern zu zweit tanzt und Musik mit wechselnden Bewegungen mag, kann mit Lindy Hop beginnen. Für erste Schritte ohne Partner bietet sich Charleston an. Balboa passt zu kleinen, schnellen Bewegungen; bei Shag lohnt es sich, auf den genauen regionalen Stil zu achten.
Beim Musikhören hilft eine einfache Übung: Klopf den Grundpuls mit und achte darauf, wie Schlagzeug und Bläser die Schläge betonen oder mit kurzen Motiven beantworten. Beim Tanzen zählt zuerst, den Puls zu halten. Schnelle Schritte oder akrobatische Figuren sind dafür nicht nötig. Ergänze nach und nach weitere Bewegungen, wenn dir der Rhythmus vertrauter ist.
