Der Unterschied zwischen analytischem und synthetischem Kubismus

Pablo Picasso und Georges Braque stellten Gegenstände im Kubismus in vereinfachten Formen dar. Der analytische Kubismus zerlegt Motive in viele kleine Flächen; der synthetische setzt sie aus größeren Formen neu zusammen und verwendet oft aufgeklebtes Papier.

Die beiden Phasen folgten aufeinander und gingen fließend ineinander über. Als grobe zeitliche Orientierung gilt: analytischer Kubismus etwa 1910 bis 1912, synthetischer Kubismus etwa 1912 bis 1914.

Der analytische Kubismus

Die Bilder des analytischen Kubismus zeigen einen Gegenstand so, als sähen die Künstler ihn gleichzeitig aus mehreren Blickwinkeln. Sie zerlegten ihn in kleine, überlagerte Flächen. Dabei können Vorder- und Seitenansicht sowie Umriss und innere Formen ineinander übergehen. Häufig bleiben Braun-, Grau- und Ockertöne vorherrschend. So fallen Linien und Flächen stärker auf als die Farbe.

Bei Georges Braques Man with a Guitar aus den Jahren 1911 und 1912 ist die Figur in viele Facetten aufgeteilt. Der Mann lässt sich nur schwer erkennen. Ein Profil, der Winkel eines Arms und das Schallloch der Gitarre geben Hinweise auf das Motiv. Um ein analytisches Bild zu verstehen, sucht man einzelne Merkmale und setzt sie gedanklich zu einem Gegenstand zusammen.

Der synthetische Kubismus

Im synthetischen Kubismus setzen Künstler ein Motiv aus größeren, klareren Formen zusammen. Die Bildfläche wirkt dadurch oft übersichtlicher und die Farben können vielfältiger sein. Typisch ist die Collage: Dabei klebt der Künstler Papier auf die Bildfläche und verbindet es mit Zeichnung oder Malerei. Aufgeklebtes Papier kann etwa eine Oberfläche oder einen Gegenstand darstellen.

Picassos Pipe, Glass, Bottle of Rum von 1914 zeigt einen Tisch mit Stillleben-Gegenständen. Picasso zeichnete den Tisch mit Bleistift und setzte die Pfeife teilweise aus ausgeschnittenen Papierstücken zusammen. Auf der Flasche ist ein Zeitungsausschnitt mit dem französischen Wort für Rum zu sehen. Das Papier bildet einen Teil des Bildes und hilft zugleich, das Motiv zu erkennen.

Die Unterschiede im Überblick

Merkmal Analytischer Kubismus Synthetischer Kubismus
Aufbau Viele kleine, überlagerte Flächen Größere, einfacher lesbare Formen
Wirkung Dicht und oft schwer zu entziffern Flächiger und häufig klarer
Farbe Oft Braun, Grau und Ocker Häufig vielfältiger, aber nicht immer bunt
Materialien Vor allem Farbe und Zeichnung Oft Collage aus Papier, Farbe und Zeichnung

Bei einer Geige zeigt sich der Unterschied so: Im analytischen Kubismus würde sie in viele kleine Flächen zerfallen. Hinweise wie Saiten, Wirbel oder Umriss helfen, das Instrument wiederzuerkennen. Im synthetischen Kubismus könnte die Geige aus wenigen größeren Formen entstehen, ergänzt durch ein Stück Papier, das eine Fläche oder ein Material andeutet.

Woran die Einteilung Grenzen hat

Diese Merkmale helfen bei der Einordnung, gelten aber nicht als feste Regeln. Auch analytische Bilder enthalten mitunter Buchstaben oder täuschend echt gemalte Oberflächen. Braque verwendete solche Mittel etwa in Homage to J. S. Bach aus den Jahren 1911 und 1912. Schrift oder eine Collage allein reichen deshalb nicht aus, um ein Werk sicher einer Phase zuzuordnen.

Kunsthistoriker datieren die Werke unterschiedlich. In manchen Darstellungen beginnen die analytischen Experimente früher. Die Übergangszeit um 1912 erklärt, warum einzelne Werke Merkmale beider Richtungen zeigen. Beide Phasen beschäftigen sich zudem mit erkennbaren Dingen wie Musikinstrumenten, Flaschen, Gläsern und Zeitungen.

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